Die FIW11a erlebt Geschichte am Ort des Aufbruchs

Am 28.07.2025 machte sich die Klasse FIW11a in Begleitung von StRin Kriener und StR Dieminger auf eine zweitägige Studienfahrt nach Leipzig auf. Unter dem Motto „DDR-Geschichte erleben“ widmeten sich die Schülerinnen und Schüler der Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit – in einer Stadt, die wie kaum eine andere für den friedlichen Aufbruch von 1989 steht, als die Rufe „Wir sind das Volk!“ durch die Straßen hallten.
Der erste Programmpunkt führte die Klasse in das Museum in der „Runden Ecke“, den ehemaligen Sitz der Leipziger Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit. Mithilfe eines Audioguides erkundeten die Schülerinnen und Schüler die original erhaltenen Räume und erfuhren eindrücklich, wie umfassend das System der Überwachung und Kontrolle im DDR-Alltag wirkte. Anschließend folgte ein besonders bewegender Programmpunkt: ein Zeitzeugengespräch mit Frau Hollitzer, die offen über ihr Leben in der DDR berichtete – über ihren Alltag als Mutter in einer kinderreichen Familie, über die Einschränkungen, die sie als kirchlich engagierte Bürgerin erlebte, und über ihren Mut, sich in den 1980er-Jahren an den Montagsdemonstrationen zu beteiligen. Die jungen Menschen zeigten großes Interesse und stellten zahlreiche Fragen, wodurch sich ein lebendiger und nachdenklicher Austausch entwickelte.

Nach diesen intensiven Eindrücken erlebte die Gruppe Leipzig von einer ganz anderen Seite: Bei einer Bootsfahrt auf der Weißen Elster erhielten die Teilnehmenden nicht nur einen neuen Blick auf die Stadt, sondern auch interessante Informationen über die Umweltverschmutzung und Renaturierung der Flüsse – ein Thema, das ebenfalls eng mit der Geschichte der DDR verbunden ist. Der Abend stand zur freien Verfügung, und viele nutzten die Gelegenheit, die lebendige Leipziger Innenstadt zu erkunden.
Am zweiten Tag stand der Besuch des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig auf dem Programm. Die dortige Dauerausstellung zeichnet den Weg der deutschen Geschichte seit 1945 nach und legt einen besonderen Fokus auf das Leben in der DDR und den Prozess der Wiedervereinigung. Eine lebendig gestaltete Führung machte die Entwicklungen greifbar und stellte Bezüge zur Gegenwart her.

Im Anschluss gingen die Schülerinnen und Schüler eigenständig auf Spurensuche: Mit Hilfe der App „Leipzig ’89“ erkundeten sie Orte der Friedlichen Revolution in der Innenstadt – von der Nikolaikirche über den Augustusplatz bis hin zu den Schauplätzen der historischen Montagsdemonstrationen. So wurde Geschichte buchstäblich erfahrbar und in ihren lokalen Bezügen lebendig.
Die zweitägige Exkursion bot nicht nur spannendes Wissen, sondern auch viel Raum für Gemeinschaft, Gespräch und Reflexion. Leipzig, oft zu Unrecht als Reiseziel weniger bekannt, erwies sich als idealer Lernort für politische Bildung: Hier lassen sich Strukturen der DDR, Formen von Opposition und die Kraft zivilgesellschaftlichen Engagements exemplarisch nachvollziehen.

Gerade für junge Menschen ist es von besonderer Bedeutung, die DDR-Geschichte nicht nur aus Büchern zu kennen, sondern sie an authentischen Orten zu erleben. Nur so wird verständlich, wie wertvoll Demokratie, Meinungsfreiheit und politische Teilhabe sind – und dass diese Errungenschaften keineswegs selbstverständlich sind.
Am Ende stand für alle fest: Diese Fahrt hat bleibende Spuren hinterlassen – im Wissen, im Denken und im Miteinander. Ganz herzlicher Dank geht an dieser Stelle an Herrn Prosch für die Ermöglichung der Fahrt und den Förderverein der Schule für die großzügige Unterstützung.
Carmen Kriener, StRin
